Leistungsangebote & Behandlungskonzepte

Für die Behandlung unserer Patienten nutzen wir unter anderem folgende Behandlungsansätze/-konzepte:

Handtherapie

Spiegeltherapie:

Die Spiegeltherapie wurde zu Beginn ausschließlich bei amputierten Händen angewandt. Erst im späteren Verlauf wurde die Spiegeltherapie auch auf andere Erkrankungen übertragen wie z.B. CRPS und Lähmung nach Apoplex.

Das sogenannte „Learned non-use“-Phänomen war die Grundlage für die Entwicklung der Spiegeltherapie. Bei diesem Phänomen führt der Patient mit der

Betroffenen Seite Bewegungen aus und erfährt negative Verstärkungen. Hieraus resultiert eine Vermeidungsverhalten (non-use).

Bei der Spiegeltherapie wird die Konzentration und die Motivation erhöht. Es kommt zur Aktivierung der geschädigten Hemisphäre. Durch die Bewegungssuggestion kommt es zur starken Fascilisation.

Alle drei Komponenten tragen dazu bei, dass die betroffene Seite vermehrt genutzt wird. Und es kommt zu einer kortikalen Reorganisation und zu plastischen Veränderungen. Was wiederum zu einer vermehrten Nutzung der betroffenen Seite führt. Ein Kreislauf also.

Wissenschaftliche Grundlagen:

Das Spiegel-Neuronen-System befindet sich in den fronto-parietalen Gebieten (somatotrophische Organisation), in den bilateralen PMC/Broca Gebieten (nicht Objekt gerichtete Bewegungen), in den bilateralen parietalen Gebieten (Objektgerichtete Bewegungen).

Die Spiegelneuronen werden durch das Ausführen einer eigenen Handlung als auch durch das Beobachten von Handlungen aktiviert.

Hierfür ist aber das „bereits kennen“ dieser Handlung/Bewegung erforderlich.

Die Spiegelneuronen sind beteiligt an Bewegungserkennung, Bewegungsimitation und motorischem Lernen.

Die Eigenschaften des Spiegelneuronen-Systems sind für die Rehabilitation von erheblicher Bedeutung.

Studien zeigten, dass durch die Spiegeltherapie und durch Beobachten oder Vorstellung von Bewegungen supratemporale Gebiete in der geschädigten Hemisphäre aktiviert werden. Auch erhöht sich die Erregbarkeit des primär motorischen Cortex und sensomotorische Netzwerke werden aktiviert.

Bei der Spiegeltherapie geht es um die gezielte Aktivierung des visuellen Kanals um sensomotorische Netzwerke zu aktivieren und eine bessere senso-motorische Integration zu erlangen. Es wird also ein „fehlerfreies“ Programm angelegt. Und mit dieser Therapieform wird eine verbesserte zerebrale Körperpräsentation durch plastische Veränderungen erreicht.

Bisher wird in einigen Praxen die Spiegeltherapie bei Patienten mit CRPS, Phantomschmerz und Apoplex angewendet. Hierzu wurden auch diverse Studien durchgeführt. Die Spiegeltherapie ist ein ZUSÄTZLICHES Therapiekonzept und sollte keinesfalls als einzige Therapiemethode durchgeführt werden. Es eignet sich oftmals die Kombination mit dem Perfettikonzept.

Allgemeine Grundprinzipien:

  • Patientenauswahl: kognitive Fähigkeiten:
    • Arbeitsgedächnis
    • Ausreichend hohe Aufmerksamkeit
    • Motivation
    • Illusion im Spiegel vorhanden?
  • Patienteninformation:
    • Ziel und Ablauf der Behandlung
    • Realistische Erwartungen
    • Bewusstes Einlassen auf die Illusion
    • Eventuelle Nebenwirkungen (Schwindel, Übelkeit, Erschöpfung….)
  • Auswahl der Bewegungen /Aktivitäten:
    • persönliche Erfahrungen
    • Hobbys oder Interessen
    • Relevanz
    • Realistische Ziele
    • Anlernen der Bewegungsdurchführung/Demonstration

Kontraindikation:

  • unzureichende kognitive Fähigkeiten
  • starke Spastik/Hypertonus
  • Ablehnung der Therapie
  • Unrealistische Erwartungen / fehlende Krankheitseinsicht
  • Bilaterale Paresen
  • Ernsthafte Komorbiditäten
  • Gesichtsfeldeinschränkungen

Vorbereitung der Therapieeinheit:

  • Reizarmer Raum (einfarbige Wand im Spiegelbild)
  • Reizarme Umgebung (Telefon, Klingel etc.)
  • Schmuck und Uhren ablegen (auch der Therapeut)
  • Bewegungsübungen besprechen
  • Pat. soll sich bewusst vorstellen, dass das Spiegelbild seine betroffene Seite ist.
  • Pat. immer wieder fragen wie es sich anfühlt und wie es ihm geht
  • Pat. erklären was im Gehirn passiert
  • Beachten ob dem Patienten übel oder schwummrig wird
  • Ausdauer und Konzentration beobachten

Bei der Spiegeltherapie werden mehrere Phasen durchlaufen.

Aufbau der Therapie:

1. Phase:

  1. Zu Beginn 2-3 Minuten Fokus auf das Spiegelbild trainieren.
  2. Danach Bewegungen nur mit der nicht betroffenen Extremität. (Es können zu Beginn aber auch lediglich taktile Reize durch den Therapeuten gesetzt werden.)

Patient führt diese Bewegung aktiv auf der nicht betroffenen Seite durch und der Therapeut bewegt die betroffene Seite nicht mit.

Wichtig ist hierbei, dass der Patient genau weiß welche Bewegungen er ausführen soll und dass er diese physiologisch korrekt und in aller Ruhe ausführt. Zu Beginn reichen 5 Minuten, dann kurze Pause. Sehr gut wäre es wenn der Patient zu Hause mehrmals täglich für 5-10 Minuten die Übungen wiederholen könnte und würde.

2. Phase:

  • Wieder zu Beginn kurze Fokussierung auf das Spiegelbild bevor mit den Übungen begonnen wird.
  • Patient führt Bewegungen auf der nicht betroffenen Seite aktiv durch und der Therapeut führt die betroffene Seite synchron (wichtig!!!) mit.

3. Phase:

  1. Wie in Phase 1 und 2
  2. Patient führt bds. aktive Bewegungen aus. Wichtig ist hierbei, dass der Spiegel trotzdem dort bleibt wo er ist, denn der Patient wird auf der betroffenen Seite die Bewegungen noch nicht 100% korrekt ausführen, soll sie aber visuell korrekt sehen.

In allen 3 Phasen ist es wichtig den Patienten zwischen durch zu fragen wie es ihm geht. Und ihn von Anfang an darauf aufmerksam zu machen, dass er immer, auch wenn er mit dem Therapeuten spricht, das Spiegelbild fixieren soll.

Ausführung der Therapie:

Zu Beginn der Spiegeltherapie werden kurze und einfache Bewegungen durchgeführt. Z.B. Zeigefinger heben. Im Verlauf werden die Bewegungen komplexer und erst im weiteren Verlauf finden Bewegungsabläufe statt. Z.B. Greifen nach einem Glas oder Ball. Hierbei ist für den Patienten eine passende Konstellation aus Aufbau der Übung und Therapie-Phase zu finden.

Wichtig ist, dass der Patient die Spiegeltherapie auch zu Hause mehrmals täglich für max. 10 Minuten durchführt. Sinnvoll ist es auch, dass parallel Lateralisierungstraining und „Mental Imaging“ stattfindet.

Material:

Ein Spiegel ohne abgeschrägte Kanten und ohne Rahmen. Der stabil auf den Tisch gestellt werden kann.

Es kann alles an Gegenständen, die für die Therapie sinnvoll sind, eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei, dass jeder Gegenstand doppelt und absolut identisch vorhanden ist.

Schienenanpassung:

Bei der ergotherapeutischen Schienenversorgung werden aus niederthermoplastischem Material Schienen direkt an und für den Patienten angepasst.

Eine Schiene kann erforderlich sein bei Krankheitsbildern wie:

  • Zustand nach Operationen an der Hand/Arm
  • Funktionseinschränkungen
  • Hypermobilität von Gelenken
  • Kontrakturen
  • …….

Ziel einer Schiene ist zu lagern, halten, ermöglichen, hemmen oder zu unterstützen.

In unserer Praxis werden folgende Schienen entwickelt, hergestellt und angepasst:

Schmerztherapie

Neurofeedback

Migränetherapie nach Kern

Kognitiv-therapeutische Übungen nach C. Perfetti:

Das „Perfetti-Konzept“ wurde bereits in den siebziger Jahren von dem italianischen Neurologen Carlo Perfetti und seinem Team entwickelt und ständig weiter modifiziert. Diese Therapiemethode basiert nicht auf empirischen Erkenntnissen, sondern auf neurologischen Basiswissenschaften.

Beim Perfetti-Konzept wird der Patient als Ganzes, als komplexes System gesehen. Es dürfen also Kognition, Bewegung und Wahrnehmung nicht isoliert betrachtet und behandelt werden.

Laut C. Perfetti beginnt Bewegung im Kopf. Deshalb werden in der Therapie gezielte Denkprozesse eingesetzt.

Therapieinhalte:

Zu Beginn ist es wichtig die Denkprozesse zu aktivieren. Hierbei ist die gerichtete und aktive Aufmerksamkeit mit entscheidend. Die dominante visuelle Wahrnehmung wird durch schließen der Augen deaktiviert.

An die kognitiven und motorischen Fähigkeiten angepasst, werden dem Patienten gezielte Aufgaben gestellt. Hierbei geht es vorerst um die Aufnahme und Verarbeitung sensibler Reize durch den eigenen Körper oder durch die Umwelt. Die Übungen können den Tastsinn oder die Tiefensensibilität ansprechen.

Ausserdem kann auch die motorische Imagination angewendet werden. Bewegungen werden präzise vorgestellt und in direkten Vergleich mit der Realität betrachtet.

Die Übungen werden in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt.

  1. Grad:

Die Bewegungen des Patienten werden von dem Therapeuten geführt. Der Patient arbeitet als nicht aktiv motorisch mit. Über die geführten Bewegungen soll der Patient Informationen von seinem Körper und der Umwelt „erspüren“.

Hierbei geht es um das Erlernen einer adäquaten Kontrolle der abnormen Reaktion auf Dehnung. Der Patient erlernt ebenfalls seine Muskelkraft und Muskelkontraktion normal zu dosieren. Ausserdem wird die räumliche Planung der Bewegung gefördert.

  1. Grad:
  1. Grad:

Ziel:

Bei dieser Therapiemethode geht es um die Reorganisation des geschädigten Systems. Komplexe und differenzierte Handlungen sollen wieder ermöglicht werden. Hierbei macht sich der Therapeut die Plastizitätseigenschaften des menschlichen Nervensystems zu nutze. Denn es hat die Fähigkeit sich den veränderten Grundlagen und Anforderungen anzupassen indem es Struktur und Organisation ändert.

Der Patient erlernt Strategien, die ihn an ein möglichst normales Handeln heranführen. Die vorhandene Bewegungsfähigkeit soll ausgebaut und die pathologischen Elemente vermieden werden.

Material:

Bei den Übungen werden spezielle Therapiematerialien benötigt.

Hirnleistungstraining:

Die ergotherapeutische Behandlung beinhaltet unter anderem Hirnleistungstraining, wenn die Befundung Defizite in folgenden Bereichen ergab:

  • Aufmerksamkeit
  • Konzentration
  • Merkfähigkeit
  • Orientierung
  • Handlungsplanung
  • Geistige Belastbarkeit
  • Gedankenstrukturierung

Grundsätzlich kann das menschliche Gehirn trainiert werden. In der Ergotherapie werden speziell auf den Patient abgestimmte Aufgaben gestellt, um seine Fähigkeiten zu trainieren. Das Ziel ist hierbei, dass der Mensch seinen Alltag selbst gestalten kann und in diesem zurechtkommt.

ADL-Training

Flossing

Taping